Die Ziegenherde des NABU Petersberg ist heute ein fester Bestandteil unserer Naturschutzarbeit – und für viele Menschen in der Gemeinde längst ein vertrauter Anblick. Ihr Einsatz begann im Frühjahr 2019, als acht ausgewachsene Ziegen und mehrere Jungtiere erstmals am Rauschenberg ankamen. Für die anwesenden NABU-Mitglieder war dieser Moment etwas Besonderes: Neugierig kletterten die Tiere aus dem Anhänger, die jungen Ziegen hüpften umher, und schnell wurde klar – hier beginnt ein neues Kapitel der Landschaftspflege in Petersberg.
Der Hintergrund des Projekts ist die Pflege von wertvollen Biotopen und sogenannten Ausgleichsflächen im Gemeindegebiet. Solche Flächen entstehen beispielsweise dann, wenn durch Bauprojekte Lebensräume verloren gehen und an anderer Stelle Ersatz geschaffen werden muss. Ziel ist es, dort wieder artenreiche Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren zu ermöglichen. Allerdings entwickelt sich ein solches Biotop nicht immer automatisch in die gewünschte Richtung. Häufig wachsen Sträucher wie Weißdorn, Schlehe oder Heckenrosen sehr schnell und verdrängen durch ihren Schatten viele Blütenpflanzen, die besonders für Insekten wichtig sind.
Genau hier kommen unsere Ziegen ins Spiel. Sie ziehen über das Jahr hinweg von Fläche zu Fläche und beweiden unterschiedliche Biotope in unserer Gemeinde – z. B. am Rauschenberg. Durch ihren Verbiss halten sie den Aufwuchs niedrig und fressen auch Pflanzen, an die sich andere Weidetiere kaum wagen: Weißdorn, Schlehen oder Heckenrosen gehören zu ihren Lieblingspflanzen. Auf diese Weise verhindern sie, dass die Flächen langsam verbuschen und zu Wald werden. Dieser natürliche Prozess wird in der Ökologie Sukzession genannt. Offene, sonnige Flächen bleiben dadurch erhalten – und genau diese sind meist besonders artenreich.
Früher bedeutete die Pflege solcher Flächen für die Aktiven des NABU Petersberg oft mühsame Handarbeit mit Heckenschere, Motorsense oder Säge. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit waren nötig, um dichte Strauchbestände zurückzuschneiden. Die Idee einer eigenen Ziegenherde entstand aus dieser Erfahrung heraus: eine nachhaltige und naturnahe Form der Landschaftspflege, die zugleich an historische Nutzungsformen erinnert. Tatsächlich sind viele der offenen Flächen an den Südhängen des Rauschenbergs ursprünglich durch jahrhundertelange Beweidung mit Schafen und Ziegen entstanden.

Damit die Herde flexibel auf verschiedenen Flächen eingesetzt werden kann, musste zunächst die passende Infrastruktur geschaffen werden. Vereinsmitglieder bauten daher einen älteren Ladewagen mit viel handwerklichem Geschick zu einem mobilen Ziegenwagen um. Er dient den Tieren als Unterstand bei Regen oder starker Sonneneinstrahlung und kann gleichzeitig für den Transport zwischen den verschiedenen Pflegeflächen genutzt werden.
Die Ziegen leben ganzjährig draußen und sind 365 Tage im Jahr auf den Weideflächen unterwegs – einen Stall haben sie noch nie gesehen. Der mobile Wagen bietet ihnen deshalb einen wichtigen Rückzugsort bei ungünstiger Witterung.
Wie so viele Projekte beim NABU Petersberg entstand auch dieses durch ehrenamtliches Engagement, praktisches Können und viel gemeinschaftliche Arbeit.

Neben ihrem ökologischen Nutzen hat die Ziegenherde noch eine weitere wichtige Bedeutung für unseren Verein. Das Projekt verbindet viele Menschen miteinander. Jeden Tag schaut jemand aus dem Kreis der Unterstützer nach den Tieren, kontrolliert Wasser, Zaun und Gesundheit der Herde. Dadurch sind zahlreiche Menschen eingebunden – von jungen Naturfreunden bis zu langjährigen Mitgliedern.
Und nicht zuletzt sind unsere Ziegen echte Sympathieträger. Viele Menschen in Petersberg kennen sie, begegnen ihnen auf Spaziergängen oder besuchen gezielt die Flächen, auf denen sie gerade „arbeiten“. Die Tiere stehen damit sinnbildlich für die ehrenamtliche Arbeit des NABU Petersberg und machen Naturschutz sichtbar und erlebbar.

Wer die Ziegen einmal beobachtet, merkt schnell: Ein Großteil ihres Tages besteht aus Fressen, Ruhen und Wiederkäuen – scheinbar ganz ruhig und gelassen. Doch genau dabei leisten sie wertvolle Arbeit für die Natur in unserer Gemeinde. Naturschutz kann manchmal so einfach sein: Man braucht nur die richtigen Helfer auf vier Beinen.
Anbei ein Dokument ganz aus den Anfängen des Ziegenbeweidungskonzeptes.